Armutsbetroffene zunehmend isoliert

29. Oktober 2015

Die Skos-Richtlinien werden per 1.1.2016 nach unten angepasst. Das soziale Existenzminimum ist somit nicht mehr gewährleistet, die Integration tritt in den Hintergrund. Die Armutsbetroffenen werden weiter isoliert. Caritas Zürich fordert am

Politische und mediale Zuspitzungen in der sozialpolitischen Diskussion haben dazu beigetragen, dass der Druck auf Armutsbetroffene mit den neuen Skos-Richtlinien zunimmt. Aber auch für Sozialarbeitende und Gemeinden wird der Handlungsspielraum kleiner.
Am 9. Zürcher Armutsforum von Caritas Zürich diskutierten Referierende und Teilnehmende die Herausforderungen für Gemeinden, Sozialarbeitende, Hilfswerke und Politik.

Armut wird zunehmen
Cordula Bieri von Caritas Zürich fordert eine Sozialhilfe, welche Anschluss ermöglicht: «Wenn soziale und berufliche Integration immer schwieriger werden, wird die Armut in der Schweiz zunehmen.» Soziologe Ueli Mäder von der Uni Basel beobachtet, dass Armutsbetroffene mit Statistiken wegdefiniert werde. Politik und Medien müssen sich wieder differenziert mit dem Thema Armut auseinandersetzen. Denn einer Gesellschaft gehe es nur gut, wenn es jedem Einzelnen gut gehe. Mäder fordert deshalb eine bessere Verteilung des Reichtums in der Schweiz.

Gemeinden unter Druck
Astrid Furrer, Stadträtin für Soziales in Wädenswil und Kantonsrätin, beobachtet einen Anstieg der Sozialkosten, während die Steuerkraft in den Gemeinden sinkt. Das stelle die Akzeptanz der Sozialhilfe auf den Prüfstand, die Angst vor dem Wohlstandsverlust dominiere. Freiwillige zu finden, die gewisse Aufgaben übernehmen, werde für Gemeinden zudem zunehmend schwieriger.

Armutsbetroffene brauchen Chancen
Gülcan Akkaya, Dozentin am Institut für Soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern, sieht die Ausrichtung der Sozialhilfe und die Wahrung der Grundrechte in einem ständigen Spannungsfeld. «Die Grund- und Menschenrechte der Armutsbetroffenen werden von der Politik zu wenig berücksichtigt», konstatiert sie. Armutsbekämpfung sei schlussendlich nicht nur eine Aufgabe der Sozialhilfe, sondern der ganzen Gesellschaft.


Auskunft:
Für weitere Auskünfte stehen Ihnen zur Verfügung:
• Max Elmiger, Direktor Caritas Zürich, Tel. 044 366 68 02, Mobile 079 323 87 69, m.elmiger@caritas-zuerich.ch
• Cordula Bieri, Grundlagen Caritas Zürich, Tel. 044 366 68 78, Mobile 079 684 06 68, c.bieri@caritas-zuerich.ch

Texte aus der Schreibwerkstatt
Am Armutsforum wurde ein Text aus der Schreibwerkstatt 2015 vorgelesen. Caritas Zürich lud im Sommer 2015 Menschen mit kleinem Budget ein, über ihre persönlichen Erfahrungen zu schreiben. Alle Texte finden Sie online: www.caritas-zuerich.ch/was-wir-sagen/schreibwerkstatt