Grundkompetenzen fördern: Mit Bildung gegen Armut

27. Oktober 2016

Lesen, Schreiben, Rechnen und den Computer bedienen. Das sind Grundkompetenzen. Beherrscht man sie nicht, steht man schnell im Abseits. Betroffen sind vor allem Menschen mit wenig Geld. Trotz nationalem Weiterbildungsgesetz spart der Kanton genau dort. Caritas Zürich setzt sich deshalb für die Förderung der Grundkompetenzen ein.

Einen Brief lesen und verstehen, ein einfaches Budget erstellen oder eine Stelle im Internet suchen – dies stellt mehr Menschen vor unüberwindbare Hürden, als man denkt. Auch wenn sie in der Schweiz die Schule besuchten, haben z. B. 800‘000 Erwachsene eine Lese- und Schreibschwäche. Fachpersonen diskutierten deshalb am 10. Armutsforum von Caritas Zürich, wie man die sogenannten Grundkompetenzen fördern kann.

Tabu: Betroffene ziehen sich zurück

Das Fehlen von Grundkompetenzen hat vielfältige Ursachen. Was viele nicht wissen: Lese- und Schreibkompetenzen kann man verlieren, wenn man sie nicht regelmässig braucht. Zudem beobachtet Brigitte Aschwanden, Geschäftsführerin Verein Lesen und Schreiben Deutsche Schweiz: «Die Anforderungen an Lese- und Schreibkompetenzen steigen ständig, so können nicht alle mithalten.» Die Konsequenz: Die Betroffenen vermeiden den Gebrauch von Grundkompetenzen, verheimlichen die Defizite und ziehen sich zurück.

Paradoxe Politik im Kanton Zürich

Das nationale Weiterbildungsgesetz, das am 1. Januar 2017 in Kraft tritt, fordert die Kantone auf, mehr in die Förderung von Grundkompetenzen von Erwachsenen zu investieren. Talitha Schärli Petersson vom Nationalen Programm gegen Armut (Bundesamt für Sozialversicherungen) sagt: «Wer es mit der beruflichen Integration ernst meint, muss auch Grundkompetenzen fördern. Heute fehlt eine systematische Förderung.»
Der Regierungsrat des Kantons Zürich will aufgrund der Sparmassnahmen eine solche Förderung sogar streichen, obwohl der Bund nun Fördergelder zur Verfügung stellt. «Ein paradoxer Entscheid», meint Bernhard Grämiger, Direktor des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung SVEB, «schliesslich sind mehrere zehntausend Menschen im Kanton Zürich betroffen.»

Gespart wird wieder bei den Schwächsten

«Wem es an diesen Grundkompetenzen fehlt, der hat ein viel grösseres Risiko in die Armut zu rutschen», sagt Max Elmiger, Direktor von Caritas Zürich. «Mit den Sparmassnahmen im Kanton Zürich befürchten wir, dass die Anzahl Betroffener steigt. Wieder wird bei den Schwächsten gespart.» Entsprechend setzt sich Caritas Zürich auch in Zukunft für die Förderung der Grundkompetenzen ein.