Zahlen und Fakten zur Armut bei uns

Über 615’000 Armutsbetroffene leben in der Schweiz, trotzdem wissen die meisten Menschen wenig über sie. Wir haben Zahlen und Fakten für Sie zusammengetragen.

Arm ist, wer mit seinen Einnahmen den gesetzlich festgelegten Grundbedarf für Lebensunterhalt, Wohnkosten und obligatorische Krankenversicherung für sich – und für seine Familie – nicht finanzieren kann.

Armut bedeutet aber mehr, als nur ein leeres Portemonnaie zu haben. Armut zeigt sich für die Betroffenen häufig in prekären Verhältnissen: gesundheitlich angeschlagen, schwierige Wohnsituation, fehlende Berufsbildung, prekäre Arbeitsbedingungen (tiefe Löhne, Vertragslosigkeit, befristete Arbeitseinsätze etc.), Isolation und angespannte Familienverhältnisse.

Zudem mangelt es an konkreten Handlungsperspektiven und Lebenschancen.

Oft führt ein kritisches Lebensereignis zu Armutsbetroffenheit, beispielsweise der Verlust der Arbeitsstelle, die Flucht in ein anderes Land oder eine schwere Krankheit. Auch der Übergang in eine andere Lebensphase, beispielsweise der Berufseinstieg, kann der Auslöser für Armutsbetroffenheit sein. Genauso sind aber Langzeitarbeitslosigkeit, ein Unfall, die Geburt eines Kindes (schränkt die Berufstätigkeit der Eltern ein oder verunmöglicht sie), die Trennung von Eltern oder der Tod eines Familienmitgliedes solche Ereignisse im Leben, welche in die Armut führen können.

Eine weitere Ursache liegt in der fehlenden Bildung. Ohne nachobligatorische Ausbildung ist das Risiko doppelt so hoch, armutsbetroffen zu sein.

Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben im Altersvergleich das höchste Armutsrisiko. Kinder aus armutsbetroffenen Familien haben zudem ein erhöhtes Risiko, auch als Erwachsene armutsbetroffen zu sein. Weitere Risikogruppen sind Alleinerziehende, Unterhaltspflichtige, Familien mit drei und mehr Kindern, wenig qualifizierte Arbeitnehmende, Migrantinnen und Migranten sowie Alleinstehende.

Das Haushaltbudget wird in der Sozialhilfe auf Basis der SKOS-Richtlinien (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) für eine Person sowie für Eltern mit zwei Kindern folgendermassen berechnet:

Einpersonen-Haushalt
Grundbedarf für den Lebensunterhalt: Fr. 986.–
+ effektiver Mietzins
+ Krankenkassenprämie (Grundversicherung unter Berücksichtigung der Prämienverbilligung)

Eltern mit 2 Kindern
Grundbedarf für den Lebensunterhalt: Fr. 2'110.–
+ effektiver Mietzins
+ Krankenkassenprämie (Grundversicherung unter Berücksichtigung der Prämienverbilligung)

Vom Betrag für den Grundbedarf werden neben Nahrung auch Kleider, Körperpflege, Energieverbrauch, Ausgaben für Verkehr etc., also alle Dinge des täglichen Gebrauchs bezahlt.

Die heutigen Sozialversicherungen decken verschiedene Armutsrisiken ab: Alter (AHV), Krankheit/Invalidität (IV) und Arbeitslosigkeit (ALV). Doch besonders die letzten beiden stehen unter grossem Spardruck, Leistungen werden abgebaut, Zugänge erschwert, was immer mehr Leute in die Sozialhilfe drängt. Gleichzeitig werden Entlastungsmöglichkeiten wie die Prämienverbilligungen oder die Kleinkinderbetreuungsbeiträge im Kanton Zürich laufend abgebaut bzw. abgeschafft.

Familien mit vielen Kindern, Alleinerziehende und Erwerbstätige, die älter sind als 50, haben heute ein hohes Armutsrisiko. Die politischen Antworten darauf fehlen in der Schweiz noch weitgehend. Einige Kantone kennen Familienergänzungsleistungen, im Kanton Zürich wurde jedoch eine entsprechende Vorlage 2006 abgelehnt. Dies hat zur Folge, dass mehr Leute auf Sozialhilfe angewiesen sind und die Dauer des Sozialhilfebezugs zunimmt.

Es gibt keine offizielle Armutsstatistik und deshalb keine klare Antwort. Der Bezug von bedarfsabhängigen Sozialleistungen von 2017 zeigt aber, wie viele Personen staatliche Unterstützung erhielten, weil ihr Einkommen unter dem Existenzminimum liegt. Die Bezugsquote im Kanton Zürich für diese Leistungen lag bei 7,3 %, das entspricht rund 108’700 Personen. Ergänzend zur AHV wurden 33’800 Personen, ergänzend zur IV 21’400 Personen unterstützt. Die Sozialhilfe unterstützte 48’900 Personen.

Aus Studien ist bekannt, dass noch viel mehr Menschen arm sind oder unter dem Existenzminimum leben. Schätzungen gehen davon aus, dass 25 bis 50 % der bezugsberechtigten Personen keine Sozialhilfe beziehen. Die Zahl der Armen im Kanton Zürich ist demnach wesentlich höher einzuschätzen.

Kinder und Jugendliche sind am häufigsten von Armut betroffen. Im Jahr 2017 betrug die Sozialhilfequote der bis 17-Jährigen 5,7 %, was deutlich über dem Durchschnitt von 3,3 % liegt. Ein Drittel der Menschen in der Sozialhilfe sind Kinder (rund 15‘100).

2017 ist die Sozialhilfequote erstmals seit 2010 von 3.2 % auf 3.3 % gestiegen, es konnten entsprechend weniger Fälle abgeschlossen werden, als neue eröffnet worden sind.

Working Poor sind erwerbstätige Personen, welche zwischen 20 und 59 Jahren alt sind und in einem Haushalt leben, der trotz Arbeitstätigkeit kein Einkommen über dem Existenzminimum zur Verfügung hat. In der Schweiz betrifft dies 140’000 Personen. Wie viele Partner und Kinder mitbetroffen sind, ist nicht bekannt. Besonders betroffen sind Alleinstehende, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und nicht ganzjährig Erwerbstätige.

Quelle: Die Daten basieren auf Zahlen des Sozialberichts des Kantons Zürich sowie Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Factsheet Armut in Zürich

Hier finden Sie die wichtigsten Informationen zur Armut in Zürich auf einen Blick.

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